Akademie trauert um ihren Gründungsvorsitzenden Herrn Univ. Prof Dr.-Ing. Elmar Zepf (1931-2022)

München, Mai 2022. Die Nachricht kam nicht unerwartet: am 27. Mai erreichte uns die Nachricht aus Überlingen, wo Elmar Zepf die letzten Jahre verbrachte, dass unser Gründungsvorsitzender nach längerem Leiden friedlich verstorben ist – im gesegneten Alter von über 90 Jahren. 9 Monate zuvor haben wir ihm anlässlich seines 90. Geburtstags für seine großartigen Leistungen, die er sowohl für die Akademie (Gründung in 1988, Vorsitz und Aufbau bis 1994, danach Vorsitzender des Wissenschaftlichen Kuratoriums sowie zuvor 4-jährige Leitung ihres Vorgängers, der Landesgruppe Bayern der Deutschen Akademie der Forschung und Planung im ländlichen Raum) als auch für den ländlichen Raum und die Ländliche Entwicklung Bayerns erbracht hat. Unvergesslich wurde Zepf z.B. durch seine „Dorfwerkstatt“ 1984, die erst die systematische Bürgerbeteiligung in der bayerischen Dorferneuerung auslöste, oder durch sein „Dorfleitbild“, das Grundlage wurde für die einsetzende Phase der Leitbilderstellungen in hunderten bayerischen Dörfern. Auch die Forschungsarbeit „Dorf Bayern 2000“ setzte wichtige Massstäbe: Das „regionale Dorf“ wurde sein neues Mantra.
Zepf, der Hochbegabte, Amerika- und Verwaltungserfahrene und immer unruhig nach neuem Suchende, war aber auch in der Praxis sehr erfolgreich. Lupburgs früherer Bürgermeister und ALR Mitglied Willibald Keßler schwärmt heute noch von ihm (siehe eigenen Nachruf weiter unten), auch Akademiemitglied und Bayerns Finanzminister Albert Füracker, seinerzeit Vizebgm. von Lupburg, rühmt Zepfs Aktivitäten, die sich auf viele weitere Gemeinden Bayerns (z.B. Jura 2000, Seeshaupt oder Wollaberg im Bayerischen Wald etc.) erstreckten. Unvergessen auch Zepfs APC Seminare, in denen er Kommunalpolitikern die neuen Trends sowie Kompetenz im Kommunalmanagement vermittelte.
Er schrieb viele Artikel und auch Bücher und arbeitete bis zuletzt an einem neuen Buch, dessen Inhalt er partout nicht verraten wollte – auch nicht beim letzten Gespräch vor 3 Wochen, das Holger Magel, sein langjähriger Partner und ministerieller Auftraggeber, erster Lehrbeauftragter Zepfs an der UniBW, Stellvertreter und Nachfolger in der Akademie und schließlich Freund, mit ihm führte.
Holger Magel wird bei der Mitgliederversammlung am 23. Juni einen ausführlichen Nachruf auf einen ungewöhnlichen Menschen halten.
Für heute sollen nachfolgende Sätze aus einem Aufsatz von 1995 die Erinnerung an ihn wachhalten, der geradezu prototypisch ist für sein Denken und Wirken.

(Auszug) *Zum Autor
Elmar Zepf (63) Univ. Prof. Dr.-Ing., Architekt, Inhaber des Lehrstuhls für Städtebau und Raumplanung, Uni BW München; Vorsitzender des Wiss. Kuratoriums der Bayerischen Akademie Ländlicher Raum. Autor zahlreicher Veröffentlichungen und Fachbeiträge u.a. zu den Themen: „Regionalpolitik des ländlichen Raumes“, „Bürgerbeteiligungsmodelle“, „Kommunales Leitbild“, „Telekommunikation“

Sein Aufsatz in der Ersten Ausgabe der BLG Reihe „Landentwicklung aktuell“ heißt: Visionen, Leitbilder, Strategien, Handlungsrahmen.
Darin appelliert Zepf für nun mehr denn je aktuell gewordene Aspekte wie
1. Förderung und Stärkung der Solidargemeinschaft durch intensive Bürgerbeteiligung
2. Ganzheitsbetrachtung anstelle Kästchendenken
3. Interkommunale Allianzen
4. Kooperation von Ballungsräumen und ländlichen Regionen durch Entwicklung von konkreten Handlungskonzepten und Strategien
Sein Schlusssatz hat beklemmende Aktualität gewonnen angesichts der derzeitigen Ernährungskrise: „Die Vision für die Zukunft muss lauten: Der Städter kauft die Agrarprodukte vom heimischen Bauern und hilft damit, die Kulturlandschaft zu bewahren“

Wir haben allen Grund, uns vor seiner Lebensleistung zu verbeugen und Elmar Zepf sehr dankbar zu sein.
Holger Magel

Nachruf von Willibald Kessler

Der Tod unseres geschätzten Elmar Zepf bewegt mich und unsere Lupburger tief, weil er sichtbare Spuren hinterlassen hat. Bald merkte man, dass Herr Zepf methodisch und praktisch der passende Architekt und Ortsplaner der Dorferneuerung war, obwohl er zunächst gezögert hatte, eine Oberpfälzer Gemeinde aus der „backwardness“ herauszuführen. Mit der breiten Erfahrung aus einigen oberbayerischen Dorferneuerungen initiierte er auf der Grundlage der Orts- und Häusergeschichte eine „Bürgerwerkstatt“, die rasch Probleme und Defizite offenlegte. Ergänzen sollte eine Dorfinszenierung mit Sketchen die die Bürger animieren sollte, sich mit ihren Problemen zu beschäftigen. Unser gemeinsames Motto war: „Neue Wege entstehen beim Gehen“. Diesen Weckruf hat Lupburg Herrn Prof. Zepf zu verdanken. Geehrt wurden wir mit der bayerischen Goldmedaille; die deutsche Ehrung erhielten wir bei der Grünen Woche in Berlin. Stolz sind die Lupburger besonders auf den Europäischen Dorferneuerungspreis!

Wissenschaftliche Mitarbeiter wie Dr. Jahnke und Otto Kurz standen hilfreich zur Seite. Daraus entstanden zukunftsweisende Impulse und Visionen, die in einem Leitbild formuliert wurden.

Seiner Frau und Sohn Markus und allen Angehörigen gilt mein/unser Beileid und die Versicherung, dass Elmar Zepf in Lupburg in bester Erinnerung bleibt.

W. Kessler, ehemaliger Bürgermeister von Lupburg und enger Partner von Prof. Zepf

 

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