Ehrenmitglied StM a.D. Hans Maurer ist 93-jährig von uns gegangen.
Wir haben einen großen Freund der Akademie verloren
München, 22.08.2026. Man musste ja damit rechnen, aber wenn es dann so weit ist, ist man gleichwohl vom Verlust tief betroffen, und die Erinnerungen an die ziemlich einmalige Persönlichkeit Staatssekretär a.D. und Landwirtschaftsminister a.D. Dipl.Ing. FH Hans Maurer aus Mittelfranken gehen sofort weit zurück in die 1980er Jahre, zurück in die allerersten Anfänge unserer Bayerischen Akademie Ländlicher Raum.
Ab 1987 war der gelernte Agraringenieur sowie Berufs- und Hauptschullehrer Hans Maurer nach StM Hans Eisenmanns Tod und Simon Nüssels Ernennung zum Minister plötzlich der zweite Mann im Landwirtschaftsministerium. Von einem Bauernhof stammend war zu erwarten, dass er sehr stark zu agrarischen Themen tendieren würde, umso größer war dann das Erstaunen der Flurbereinigungsabteilung, dass sich der Neue ungemein intensiv mit der Dorferneuerung (DE) und Flurbereinigung beschäftigte.
Warum? Maurer kannte den großen Bedarf Mittelfrankens für die DE und Flurneuordnung. Als langjähriger CSU-Kreisvorsitzender stand er intensiv mit dem Präsidenten der DLE Ansbach, Friedrich Ringler, sowie seinen MdL Kollegen und Bürgermeistern im Dauerkontakt bezüglich Herbeischaffung von Fördermitteln oder Lösung von Problemen aller Art.
Er war eine Art Kummerkasten, der allen helfen wollte. Der Verfasser dieses Nachrufs erlebte das selbst recht hautnah, wenn er als stellvertretender Büroleiter von Hans Maurer Dienst tat und kein Tag ohne unzählige Anrufe vor allem aus Mittelfranken mit Anliegen zur DE und Flurbereinigung verging, die dann meist weitergereicht wurden zur Abteilung N (heute E) im Hause. Kurzum: Maurer wurde sehr schnell der Spitzenvertreter der Dorferneuerung und Ländlicher Raum-Anliegen in Franken und darüber hinaus.
Verantwortung für den Ländlichen Raum übernehmen
Er war folgerichtig am 29.09.1988 der politische Festredner bei der hoch besetzten allerersten Versammlung der Bayerischen Akademie Ländlicher Raum nach ihrer Gründung in Schloss Hohenkammer, das der heute leider so sehr ins Gerede gekommenen BayWa gehörte, weshalb auch deren legendärer Chef Prof. Otmar Wasmer als Hausherr fungierte.
Die Festrede von Maurer war sein lebenslanges politisches Ziel: „Verantwortung für den Ländlichen Raum übernehmen“. Liest man sie aus heutiger Brille ist man freudig überrascht, dass Maurer – sicher weil er als Lehrer eine profunde Bildung hatte, der zudem unendlich viele Witze und Histörchen erzählen und ganze Runden stundenlang unterhalten konnte – sich eindeutig auch für eine geistig-kulturelle DE sowie im politischen Alltag für einen Goldenen Mittelweg aussprach. Das entsprach auch seinem Wesen: Das Extreme war nicht sein Ding! Kein Wunder, dass er Alois Glück nahestand und dessen zusammen mit Holger Magel 1990 herausgegebenes Buch „Das Land hat Zukunft“ begeistert begrüßte. Lieber länger und immer wieder reden und nach Lösungen suchen, als martialisch mit der Faust dreinschlagen.
So gestalteten sich dann auch die Verhandlungen mit der damals noch sehr schwierigen Denkmal- und Heimatpflege oder mit der wegen der DE eifersüchtigen Obersten Baubehörde, so gewann er schnell die Herzen bei Auslandsexkursionen z.B. zur steirischen Dorf- und Landentwicklungsszene und Geburtstagsfeier von Josef Riegler in Graz, wo er sich sofort bestens verstand mit dem aus der Steiermark und einem Bauernhof abstammenden österreichischen Landwirtschaftsminister; stets warmherzig und humorvoll gestalteten sich auch die gemeinsamen Geburtstagsessen von Chef und Mitarbeiter – beide „HMs“ sind an einem 3. Mai geboren.
Kurzzeitig gefährlich wurde es eigentlich nur dann, wenn der gutmütige Hans Maurer in Gefahr war, den Goldenen Mittelweg und sich zu sehr auf eine Seite und auf bestimmte Einflüsterungen zu verlassen, z.B. als er ernsthaft dem Akademiepräsidenten vorschlug, die Akademie mit der von ihm geführten und gleichfalls vom Ministerium geförderten Arbeitsgemeinschaft Landwirtschaftliches Bauen (ALB) zu verschmelzen. Erfreulicherweise konnte dieser Vorschlag ohne bleibende Verstimmung und öffentliches Aufsehen abgeräumt werden.
In Anerkennung seines Engagements für die Ziele und Tagungen der Akademie wurde ihm im Frühjahr 1993 die Ehrenmitgliedschaft verliehen. Wenig später kündigte Hans Maurer sein Ausscheiden als Minister im Kabinett Streibl an – für die Akademie und ihr Präsidium ein ziemlicher Schock. Später konnte man ihn verstehen: Er ahnte wohl früher als andere, dass sich mit dem neuen MP ungemütlichere Zeiten ankündigten.
Bis zuletzt blieb er dem Thema Ländlicher Raum und früheren Mitarbeitern treu und wusste bei Telefonaten oder gar bei im Rollstuhl absolvierten Besuchen von Veranstaltungen immer noch alles über Politik, Kultur und Gesellschaft. Er war halt ein wandelndes Lexikon! Eine einmalige und allseits beliebte Person!
Wir denken gerne an ihn zurück und werden ihn nicht vergessen.
Mit ihm ging unser letztes Ehrenmitglied aus der Gründerzeit der Akademie.
R.I.P.
Holger Magel
Ehrenpräsident
