Herzlichen Glückwunsch!

Alle zwei Jahre vergibt die Bayerische Akademie Ländlicher Raum  einen Preis für den Wissenschaftlichen Nachwuchs. Das sind die Gewinner 2024-2026:

Die Preisträger 2026 mit Akademie-Präseident Miosga (links) und Jury-Vorsitzendem Schneider (rechts) – Fotos: Silke Franke

Förderpreis Hannah Busch

Wasser in der Diskurslandschaft. Eine hegemonietheoretische Diskursanalyse des Wasserentnahmeentgelts in Bayern

Bachelorarbeit (Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt, Fachbereich Geographie)

Preisträgerin Hannah Busch mit Urkunde

Hannah Busch widmet sich in ihrer Arbeit der Debatte um die Einführung eines Wasserentnahmeentgelts in Bayern in den Jahren 2023 bis 2025. Grundlage ihrer Untersuchung sind über hundert Dokumente, darunter Presseberichte und politische Protokolle, die sie in einer kritischen Diskursanalyse auswertet.

Sie zeigt, dass es in der Auseinandersetzung um Wasser nicht nur um Umweltpolitik, sondern auch um konkurrierende gesellschaftliche Interessen und politische Leitbilder geht. Busch identifiziert drei Narrative, die den Diskurs beherrschen: ein konservativ-unternehmerfreundliches, ein ökologisch-digitales und ein kommunalfiskalisches.

Mit großer analytischer Klarheit macht Hannah Busch sichtbar, wie um den Umgang mit einer zentralen Ressource im Klimawandel gerungen wird. Ihre Arbeit leistet einen wichtigen Beitrag zum Verständnis gesellschaftlicher Konflikte um eine nachhaltige Wasserpolitik.

Förderpreis Maria-Clara Hoh

Solidarische Landwirtschaften in ländlich geprägten Räumen.
Eine Untersuchung in der Region Oberfranken

Masterarbeit (Universität Bayreuth, Stadt- und Regionalforschung)

Preisträgerin Maria-Clara Hoh mit Urkunde

Maria-Clara Hoh widmet sich in ihrer Masterarbeit dem Wandel von Landwirtschaft und Ernährung wie auch neuen Formen der Zusammenarbeit zwischen Erzeugern und Verbrauchern.

Am Beispiel Solidarischer Landwirtschaften in Oberfranken untersucht sie, wie alternative Formen des Wirtschaftens und der Lebensmittelversorgung gestaltet werden können. Mit ihrer empirischen Untersuchung arbeitet sie heraus, welche Konzepte, Werte und Motivationen die Beteiligten prägen und welchen Chancen und Hindernissen diese Initiativen begegnen.

Besonders hervorzuheben ist ihr eigener methodischer Ansatz, mit dem sie Solidarische Landwirtschaften als innovative Akteure im ländlichen Raum beschreibt und typisiert. Die Arbeit liefert wichtige Impulse für die Gründung und Weiterentwicklung nachhaltiger Landwirtschafts- und Versorgungsmodelle – weit über die Region Oberfranken hinaus!

Anerkennungspreis Julia Marx

Transformationsdynamiken und Aushandlungskonflikte an der Schnittstelle Nische zu Regime in einem systemischen Reallaborraum. Gestaltungswissen für eine Ernährungswende durch Ernährungsräte und transformative Unternehmen am Beispiel Oberfranken

Doktorarbeit  (Universität Bayreuth)

Preisträgerin Julia Marx

Julia Marx untersucht in ihrer Dissertation, wie soziale Innovationen den Schritt aus der Nische in den gesellschaftlichen Alltag schaffen können. Am Beispiel des „Ernährungsrats Oberfranken“ analysiert sie, wie alternative Formen der Lebensmittelversorgung mit etablierten Strukturen in Landwirtschaft und Handel in Beziehung treten.

Ihre empirische Forschung zeigt, welche Rollen einzelne Akteure in Transformationsprozessen übernehmen – etwa als „Türöffner“ oder „Fädenzieher“ – und wie emotionale sowie psychologische Dynamiken Veränderungen beeinflussen. Mit der Verbindung von theoretischer Analyse und konkreter Praxis leistet die Arbeit einen wichtigen Beitrag zum Verständnis gesellschaftlicher Transformation und neuer Formen der Zusammenarbeit zwischen Stadt und Land.

Anerkennungspreis Sina Köstler

Klimaschutz und Klimaanpassung in der bayerischen Landes- und Regionalplanung.
Eine Analyse mit Bezug zur Teilfortschreibung des Landesentwicklungsprogramms 2023

Masterarbeit (Universität Bayreuth)

Preisträgerin Sina Köstler mit Urkunde

Sina Köstler untersucht, welche Handlungsspielräume die neu eingeführten Vorrang- und Vorbehaltsgebiete für Klimaschutz und Klimaanpassung eröffnen und ob diese Instrumente wirksam zur Bewältigung des Klimawandels beitragen können.

Grundlage ihrer Arbeit sind eine Online-Befragung aller bayerischen Planungsregionen sowie auf 11 Experteninterviews mit Vertreterinnen und Vertretern aus Wissenschaft, Recht und Planungspraxis.

Die Arbeit überzeugt durch ihre methodische Qualität, ihren Praxisbezug und ihre differenzierte, kritische Analyse aktueller Klima- und Anpassungspolitik.

Anerkennungspreis Nina Faltermayr

Gesellschaftliche Transformation durch Zukunftsorte

Masterarbeit (Gesellschaftlicher Wandel und Teilhabe, Hochschule München)

Preisträgerin Nina Faltermayr mit Urkunde

Nina Faltermayr untersucht „Zukunftsorte“ im ländlichen Raum, also Initiativen, die neue Formen nachhaltigen Lebens erproben und gestalten – etwa durch private Initiativen, genossenschaftliche Modelle oder gemeindliche Projekte.

Mithilfe des „Wuppertaler Transformationsmodells“ analysiert sie die transformative Kraft von „Pionieren des Wandels“. Die Ergebnisse zeigen, dass die Wirkung zivilgesellschaftlicher Initiativen begrenzt bleibt, wenn eine stärkere Vernetzung und Einbindung in größere gesellschaftliche Zusammenhänge fehlt. Zugleich macht die Arbeit deutlich, dass Transformation kein geradliniger Prozess ist, sondern von Widersprüchen, Konflikten und Aushandlungen geprägt ist.

Nina Faltermayr hat eine überzeugende Untersuchung über die Möglichkeiten und Grenzen zivilgesellschaftlicher Transformationsprozesse im ländlichen Raum vorgelegt.

Anerkennungspreis Hannes Emtmann

Wege aus einer expansiven Siedlungsentwicklung:
Wie es kleine Gemeinden schaffen, eine flächensparende Siedlungsentwicklung zu etablieren

Masterarbeit (Stadt- und Regionalforschung, Universität Bayreuth)

Preisträger Hannes Emtmann mit Urkunde

Hannes Emtmann untersucht in seiner Masterarbeit, wie kleine Gemeinden eine flächensparende Siedlungsentwicklung gestalten können. Am Beispiel ausgewählter Modellkommunen analysiert er die transformativen Mechanismen und zeigt, wie ein hoher Flächenverbrauch und die Dominanz des Einfamilienhauses überwunden werden können.

Hannes Emtmann zeigt eindrucksvoll, dass nachhaltige Veränderungen mehr erfordern als bloße Optimierungen bestehender Strukturen. Gezielte Eingriffe können – etwa die bewusste Begrenzung von Bauland im Außenbereich –, bestehende Pfadabhängigkeiten aufbrechen und neue Entwicklungen ermöglichen.

Mit konzeptioneller Klarheit, methodischer Strenge und großer inhaltlicher Vielfalt leistet die Arbeit von Hannes Emtmann einen wichtigen Beitrag zur Debatte um eine nachhaltige Siedlungsentwicklung im ländlichen Raum.

Anerkennungspreis Marius Ulrich

Untersuchung der Bereitschaft zur Revitalisierung leerstehender Immobilien in Ortskernlage im Ländlichen Raum

Bachelorarbeit (Geoinformatik und Landmanagement, OTH Amberg-Weiden)

Preisträger Marius Ulrich mit Urkunde

Marius Ulrich beschäftigt sich in seiner Bachelorarbeit mit leerstehenden Immobilien in den Ortskernen ländlicher Gemeinden sowie den Herausforderungen von Flächensparen und Innenentwicklung. Im Mittelpunkt stehen die Merkmale typischer Leerstände, die Bereitschaft der Eigentümerinnen und Eigentümer zur Revitalisierung und der Einfluss finanzieller Fördermöglichkeiten.

Besonders hervorzuheben ist der Praxisbezug der Arbeit: Marius Ulrich hat den direkten Austausch mit Eigentümerinnen und Eigentümern gesucht und damit wertvolle Einblicke in Motive, Erwartungen und Hindernisse gewonnen.

Mit seinen Analysen und Handlungsempfehlungen liefert seine Arbeit wichtige Impulse für den Umgang mit Leerstand im ländlichen Raum – insbesondere für den Landkreis Tirschenreuth, aber auch darüber hinaus.

Jury-Vorsitzender Prof. Dr. Martin Schneider

Martin Schneider, Vorsitzender des Wiss. Kuratoriums und damit der Jury

Sieben Nachwuchswissenschaftler:innen wurden mit Förder- und Anerkennungspreisen ausgezeichnet. Die prämierten Arbeiten eint eine transformationswissenschaftliche Perspektive – sie untersuchen die Rolle von Pionier:innen des Wandels, fragen danach, wie Projekte den Sprung aus der Nische schaffen, und reflektieren psycho-emotionale Dynamiken sowie die damit verbundenen Konflikte. Auch thematisch zeigt sich die enorme Relevanz der Arbeiten: Wasser, solidarische Landwirtschaft, Ernährungsräte, Zukunftsorte, Siedlungsentwicklung, Einfamilienhäuser und weitere zentrale Fragen der sozial-ökologischen Transformation standen im Mittelpunkt. Es ist eine beglückende Erfahrung zu sehen, mit welcher analytischen Tiefe und konzeptionellen Schärfe junge Menschen die Zukunft unserer Gesellschaft und der ländlichen Räume reflektieren.

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