Nachruf

Ein Grandseigneur des Baurechts ist gegangen: Gründungs- und Ehrenmitglied Helmut Bröll ist nicht mehr unter uns

Ein persönlicher Nachruf von Ehrenpräsident Holger Magel

Foto von Daniel Schwaiger, BBIV

München, zwischen den Jahren 2025/2026. Wann immer es Fragen und Probleme zu Bau-, Satzungs- oder anderen Rechtsfragen wie z.B. zur Gemeinnützigkeit der Akademie gab, hieß es: Da müssen wir den Helmut oder unseren mit summa cum laude promovierten Dr. Bröll fragen, unseren „Syndikus“. Er war in der Akademie, am TUM Lehrstuhl Landmanagement oder im Förderkreis Bodenordnung und Landentwicklung sehr oft die letzte Instanz. Er war unser Grandseigneur des Rechts und trug deshalb den ihm von der Akademie verliehenen Titel Consiliarius zu Recht und mit Stolz! Jahrelang hat er nach Ausscheiden aus dem Amt des Schatzmeisters (1991-2013) das Präsidium beraten oder eigene Tagungen (die sog. „Bröll-Baurechtsseminare“) beim Bayerischen Bauindustrieverband in Kooperation mit dem Bayerischen Gemeindetag organisiert. Die gleiche Rolle hat er auch beim von Freund Holger Magel gegründeten Förderkreis eingenommen, vielfach auch im privaten Bereich. Auch beim Förderkreis war er Gründungsmitglied.

Ehepaar Dres. S. und H. Bröll bei einer Feier im Haus der Bayerischen Bauindustrie. Foto von Daniel Schwaiger, BBIV

Nun hat ihn eine andere letzte Instanz zu sich geholt, nur wenige Monate nach dem Heimgang seiner lebenslang geliebten lebensfrohen Silvia aus dem oberitalienischen Rovereto, woraus ja seine große Liebe und Nähe zu Italien und zur dortigen Ursprungssprache Latein verständlich wird. Wenn es jemanden gab, den er ebenso liebte wie seine Familie und sein Rechtsfach, dann war es Horaz, den er immer wieder in seine Reden und Schreiben einbaute.

Er wollte durchaus noch länger bleiben und hochbetagt weiter arbeiten an seinen Kommentaren und Fachbüchern, wie er es ein Leben lang in bewundernswerter Disziplin und mit großem Erfolg praktizierte, aber der Körper wollte nicht mehr. Die letzten Gespräche vor Weihnachten signalisierten dem besorgten Freund, dass seine Kräfte ihn verließen. Die Akademie verlor ihr Gründungsmitglied und Holger Magel seinen langjährigen Freund, den er erstmals bei einer Bauleitplanungstagung auf dem Petersberg zusammen mit Alois Glück kennen- und schätzen gelernt hat.

Damals ,1978, war Helmut Bröll für den aufstrebenden Ausschussvorsitzenden Alois Glück schon längst ein Begriff. Glück wusste um Brölls Kompetenz und seine teils „sensiblen“ Aufgaben als oberster Baujurist in der Obersten Baubehörde. Es war deshalb nur natürlich, dass aus dieser sich intensivierenden Dreierbeziehung Jahre später das Buch „Wege zum Bauland. Strategien und Beispiele für die kommunale Praxis“ “ (Hrsg. Alois Glück, Helmut Bröll, Juergen Busse, Holger Magel und Michael Stumpf) im Jehle Verlag entstand. Es sollten noch viele weitere gemeinsame Buchveröffentlichungen folgen, die hier nicht aufgeführt werden können.

Der kommunalen Praxis vor allem im ländlichen Raum zu dienen und zu helfen, das war Helmut Brölls lebenslanges Kommitment. Er wusste ja, auch aus seinen ersten Dienstjahren am Landratsamt Dachau, dass die Landgemeinden kein ausgebildetes Fachpersonal für die komplexer werdenden Fragen der Planung hatten. Diese sorgende Einstellung und seine stete Aufgeschlossenheit für Neues übertrug Bröll auch auf das junge Kind Dorferneuerung, obwohl er als Beamter der Innenverwaltung und der OBB eigentlich gegen das von der Flurbereinigungsverwaltung und Holger Magel verantwortete Programm hätte sein müssen. Er schloss sich nicht den Forderungen des Innenministers an, die Dorferneuerung (DE) an die OBB abzutreten, weil nur sie laut Baugesetzbuch dafür zuständig sei. Und er trat 1988 als erster Beamter der Bauverwaltung der neuen Akademie Ländlicher Raum bei. Das war sicher nicht der alleinige Grund, warum er nicht wie allgemein erwartet – er war der Beste – Abteilungsleiter wurde. Es war eine politische Ranküne, ein outgoing Minister wollte noch schnell seinen Büroleiter versorgen (der bei Helmut Bröll „gelernt“ hat). Helmut Bröll verließ deshalb die OBB, wechselte endgültig die Seiten und wurde einer der zwei Direktoren der Bayerischen Landessiedlung, zuständig vor allem für alle Fragen des ländlichen Wohnungsbaus, des Baurechts, der Bodenordnung, etc. Damit konnte er auch direkt in DE Verfahren planerisch und baulich mitwirken. Er musste sich nicht mehr rechtfertigen für seinen Einsatz in unserer Akademie, die ja engstens mit dem Aufbau des Bayerischen Dorferneuerungsprogramms verbunden war.

So kam ab 1988 Helmut Bröll natürlich auch nach Neukirchen am Großvenediger, lernte bei den legendären Tagungen im Kammerlander Stall Leopold Kohr, den kürzlich verstorbenen Willibald Keßler oder Peter Nindl kennen, verliebte sich mit seiner Familie in das Skigebiet am Wildkogel und kam in den folgenden Jahren regelmäßig in den Pinzgau.

Sein Traum: Ordinarius für Planungs- und Baurecht

Nach dem Wechsel von Holger Magel war Helmut Bröll sofort begeistert am TUM Lehrstuhl Land Management tätig: als Gastreferent bei den deutschen wie auch internationalen Studenten (siehe Beitrag von Profes.Chigbu/Magel), als Schatzmeister des Förderkreises (siehe Beitrag von Thomas Schmid) und hierbei auch als Mitverantwortlicher der renommierten Münchner Tage der Bodenordnung und Landentwicklung. Die universitäre Luft hat ihm ungemein gefallen, sie hat ihn voll inspiriert und befreit. Einmal gestand er mir, dass das sein Lebenstraum gewesen wäre: Ordinarius für Planungs- und Baurecht!!

Das konnten wir ihm nicht mehr bieten, aber viele erfüllende Begegnungen mit der akademischen Jugend, die von ihm reich beschenkt wurde durch sein beeindruckendes (auch Allgemein) Wissen und seine so freundliche verständnisvolle Art.

Alle die mit ihm in der Akademie oder an der TUM oder in der Kommunalwerkstatt zu tun hatten, wussten: da spricht, schreibt und kommentiert ein Fürst des Baurechts. Bis in die letzten Jahre, so berichten es seine baurechtlichen Weggefährten, interessierte er sich mit Leidenschaft und detailversessen für die aktuellen Entwicklungen im Baugesetzbuch – immer getrieben von der Frage, welches Baurecht die Gemeinden brauchen, um sich nachhaltig und enkelgerecht entwickeln zu können. 2016 referierte er auf der ersten der fortan von Akademiepräsidiumsbeisitzer Matthias Simon geleiteten Bauamtsleitertagungen des Bayerischen Gemeindetags, in deren Zeitschrift er bis zuletzt immer wieder wertvolle Beiträge veröffentlichte. Allein schon deshalb wird er auch dem Fachpublikum im öffentlichen Baurecht noch lange im Gedächtnis bleiben.

Er bleibt in unseren Herzen

Foto von Daniel Schwaiger, BBIV

Wir müssen uns jetzt erst daran gewöhnen, dass Helmut Bröll, unser Ehrenmitglied, Consiliarius und Träger der Goldenen Ehrennadel, nicht mehr unter uns weilt. Aber uns tröstet, dass er bis zuletzt realisiert hat, was ihm „sein“ Horaz vorgegeben hat:

„Hüte dich zu fragen, was morgen sein mag und nimm jeden Tag, den das Schicksal dir schenken wird, als Gewinn “

Selbstbestimmt hatte er selbst im hohen Alter von 89 Jahren noch viele gewinnende Tage.

Lieber Akademiefreund, lieber Helmut, Danke für alles.

Ruhe in Frieden.

Lesen Sie auch Consiliarius Dr. iur. Helmut Bröll – erfolgreich und maßvoll in allen Dingen von Thomas Schmid
sowie Fare well greetings from TUM Land Management and Land Tenure M.Sc. Graduates 2009 and the then TUM Programme Director LMLT to Honorable MR and Director BLS Dr. iur. Helmut Bröll von Eugene Chigbu und Holger Magel

Grabrede von Holger Magel zur Beisetzung von Dr. Helmut Bröll am 28. Januar 2026

Liebe Valentina und lieber Patrick mitsamt Euren Familien, Verwandten und Freunden, verehrte Trauergemeinde,

wohl alle, die jetzt hier am Grab von Dr. Helmut Bröll versammelt sind, waren in den letzten Monaten und Wochen mehr und mehr besorgt um die Gesundheit unseres hochverehrten Freundes und Akademieehrenmitglieds. Helmut wurde trotz bewundernswertem Lebens- und Arbeitswillen schwächer und instabiler, ja zwei Tage vor Weihnachten sagte er mir am Telefon , er spüre die Auswirkungen seiner Krankheit immer mehr und könne nicht mehr so flüssig und lange reden – was bei ihm einer Höchststrafe gleichkam , denn er beherrschte Wort und Schrift perfekt .Sein unnachahmlich weicher und wohl von Silvia beeinflusster melodiöser Sprachklang durfte allerdings nicht darüber hinwegtäuschen, dass er den alten Lateinerspruch „suaviter in modo fortiter in re“ wie nur wenige andere beherrschte und auch praktizierte.

Er war in unserer Akademie nicht nur jahrzehntelang die finanzielle und rechtliche Institution schlechthin, er war auch in der Fachwelt ziemlich einzigartig. Ihm genügte nicht nur der erfolgreiche Ministerial- und Geschäftsführerdienst, sondern er gab sein Wissen bereitwillig weiter an die, die es dringend brauchten: an Politik und Praxis. Er wurde zum vielzitierten und angeforderten Kommentator und Redner. Wir wissen nicht, was aus ihm geworden wäre, wenn sein versuchter Ausflug in die professionelle Münchner Stadtpolitik geglückt wäre. Er war ja ein leidenschaftlicher Münchner und kulturbewusster Bayer und wusste vieles zu kommentieren! Wir sind jedenfalls froh, was danach folgte: sein Aufstieg zu der baurechtlichen Instanz in Bayern schlechthin, zum von Gemeindetag, Verwaltungen und Verlagen hochgeachteten Doyen. Noch bis vor wenigen Wochen kommentierte der über 89-jährige Helmut Bröll hochaktuell den am 31.Oktober 2025 in Kraft getretenen sog. Bauturbo Paragraphen. Der WEKA Media Verlag über seinen Hausautor und Berater: „Dr. Bröll zählte zu den profiliertesten Vertretern des deutschen Baurechts. Verschiedene seiner Werke gelten bis heute als Referenzwerke in der Fachwelt. Sein Verständnis des Rechts war aber nie rein technisch: Es war stets getragen von dem Anspruch, dem Gemeinwohl zu dienen.

Dem Gemeinwohl dienen und noch vielem mehr: Helmut war den Menschen zugetan und zugewandt: seiner Familie, seiner Frau und seinen Kindern, die er über alles schätzte und liebte, aber auch seinen Freunden und Kollegen. Jeder suchte das stets unterhaltsame Gespräch mit ihm, er wusste ja so viel. Dabei konnte man sich auch mit privaten (Rechts)Problemen an ihn wenden, Helmut wusste stets Rat. Er hat immer auch das positive gesehen und neue Wege aufgezeigt. Kein Wunder, dass ich Helmut auch als Rechtsberater am Lehrstuhl brauchte und er die Satzung für den neu gegründeten Förderkreis verfasste und mit mir zum Registergericht ging, um die Gemeinnützigkeit zu erlangen, kein Wunder auch, dass Helmut sehr beliebt war bei allen in- und ausländischen Studierenden, vor denen er leidenschaftlich gerne sein immenses Wissen ausbreitete, aber immer geduldig und mit feinem Lächeln auf den Lippen, nie auftrumpfend.
Imponiergehabe hatte er nicht nötig. Natürlich freute er sich über Zustimmung, Anerkennung und Ehrungen, aber das war nicht entscheidend bei ihm. Er wollte Gutes tun, er wollte vor sich selbst bestehen können, so wie es Theodor Fontane ausgedrückt hat: „Das flüchtige Lob, des Tages Ruhm magst Du den Eitlen gönnen, das aber sei Dein Heiligtum: vor Dir bestehen zu können.“

Dennoch lieber Helmut, an deinem offenen Grab will ich, wollen wir Dir nochmals unser aller Dank und unser aller Ehrerbietung erweisen: Du warst mein, Du warst unser großes Glück und Freund, der unendlich viel geholfen hat.

Wir sagen nun münchnerisch Servus zu Dir. Dein über alles geliebter Horaz hat zwar einmal gesagt: „Der Tod ist der Schlussstrich aller Dinge.“ Als gläubige Christen glauben wir das natürlich nicht. Wir glauben oder hoffen, dass es Dir in der himmlischen Heimat bei Deiner auf Dich wartenden Silvia gut gehen wird, denn Du warst ein nobler, ein guter Mensch! Wir werden Dich nie vergessen.

Lieber guter Freund, ich verneige mich, wir verneigen uns vor Dir.
Ruhe in Frieden.

Auch Chargierte seiner geliebten K.D.StV. Tusikonia München erwiesen ihm zusammen mit Familie sowie vielen Freunden und Weggefährten die letzte Ehre in der Münchner Allerheiligen Kirche nahe zum Nordfriedhof.