Bayerische Akademie Ländlicher Raum

14.06.2018 zurück

Ausgezeichnet! Die ALR fördert den wissenschaftlichen Nachwuchs

Preisverleihung im Rahmen des Festaktes zum Jubiläum - mit Staatsminister Füracker

 
 
Gruppenfoto: Prof. Michaeli (Vors. des Wissenschaftlichen Kuratoriums) und Silke Franke (Geschäftsführerin) mit den Preisträgern 2018
Prof. Mark Michaeli (Vors. des Wissenschaftlichen Kuratoriums) und Silke Franke (Geschäftsführerin) mit den Preisträgern 2018
 Alle zwei Jahre vergibt die Bayerische Akademie Ländlicher Raum einen Preis zur Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses. Das Wissenschaftliche Kuratorium hat fünf Arbeiten ausgewählt, die sich mit aktuellen Fragestellungen zum Ländlichen Raum auseinandersetzen.

Die Preisverleihung erfolgte im Rahmen unseres 30jährigen Festaktes mit Staatsempfang in der Münchner Allerheiligenhofkirche. So hatten die Preisträger die einmalige Gelegenheit, die Urkunde und den Scheck mit dem Preisgeld nicht nur von Akademie-Präsident Holger Magel, sondern auch von Staatsminister Albert Füracker ausgehändigt zu bekommen.

Wir gratulieren nochmals allen Preisträgern!

 
Kategorie FÖRDERPREIS

Anne Gruber: Kleinstadt BeLeben

Masterarbeit (MA Arch.) TU München, Lehrstuhl für nachhaltige Entwicklung von Stadt und Land

Mit neuen Einfamilienhaus-Wohngebieten versuchen viele Gemeinden, junge Familien anzuwerben. Langfristig betrachtet könnten sie damit aber auch die Probleme von morgen schaffen, nämlich mehr Verkehr und das Aussterben der Ortszentren.
Anne Gruber will in ihrer Arbeit aufzeigen, dass es auch möglich ist, im Innerortsbereich Wohnformen zu schaffen, die auf die Bedürfnisse verschiedener Zielgruppen passt und ebenso viel, wenn nicht gar mehr, Wohnqualität aufweist als das Einfamilienhaus auf dem freien Feld.
Gruber: "Mit der richtigen Wohnform in der richtigen Lage bietet man jungen Erwachsenen, jungen Familien, älteren Paare sowie Senioren attraktiven Wohnraum, der an die langfristige Bevölkerungsentwicklung angepasst ist, der keinen Flächenfraß betreibt und der dabei auch zur Stärkung der Wohnviertel und der Kernzone beiträgt, denn Bewohnen heißt in diesem Fall auch Beleben“.
Dies hat Anne Gruber hat am Beispiel von Heilsbronn, einer Kleinstadt im ländlichen Raum Mittelfrankens durchgespielt. Zunächst hat sie sich dabei mit der bestehenden Siedlungsstruktur auseinandergesetzt und die Schwächen und Defizite identifiziert. Im nächsten Schritt hat sie die individuell vorliegenden Potenziale für Wohnen herausgearbeitet und mit dem entsprechenden Infrastruktur- und Freiraum-Angebot verknüpft. Damit zeigt sie Alternativen auf: Wie könnte man in Zukunft Wohnen? Wer findet wo seinen Platz?
Aus der Jury: „Ihr Vorschlag eröffnet Gemeinden einen Weg, auch ohne monotone Wohngebiete attraktiv für Bewohner und Neuzuzügler zu sein.“...  „Die Übertragbarkeit der Herangehensweise auf andere Kleinstädte ist überlegenswert. Auch wenn der Aufwand jeweils groß ist, das Ergebnis überzeugt doch sehr!“
 

Denise Erhardt : Strategie für die abgestimmte Entwicklung von vier Kleinstädten - Spezifische Potenziale in Gundelfingen, Lauingen, Dillingen und Höchstädt

Masterarbeit (M.Sc. Urbanistik - Landschaft und Stadt)
TU München, Lehrstuhl für nachhaltige Entwicklung von Stadt und Land
Das Thema der Arbeit ist aktuell, denn sie beschäftigt sich mit der Entwicklung kleiner Städtenetze im ländlichen Raum, mit Gebäudeleerstand und Trading-Down Prozessen.
Anhand der vier Kleinstädte Gundelfingen, Lauingen, Dillingen und Höchstädt im Donautal werden die Chancen und Risiken der Entwicklung von räumlich und funktional eng verknüpften kleinen Zentren im ländlichen Raum analysiert – mit Erkenntnissen, die für manche der Betroffenen nicht immer bequem sind, denn es zeichnet sich auch an diesem Beispiel der Trend ab, dass Kleinstädte zueinander in Konkurrenz stehen, was die Nachfrage als Standort angeht, was negative Wechselwirkungen zur Folge hat.
Die Arbeit belässt es aber nicht nur bei einer Analyse, sondern entwirft auch konkrete Perspektiven für eine Kooperation, die eine gemeinsame, koordinierte Strategie im Sinne von abgestimmten Entwicklungsschwerpunkten verfolgt.
Aus der Jury: „Denise Erhardt erklärt Wirkungszusammenhänge der räumlichen Entwicklung höchst anschaulich und überzeugend“...„Die Arbeit ist eine Grundlage für die angesichts der Standortkonkurrenz notwendige Diskussion von Potenzialen, die sich durch eine bessere Koordination von Städteverbünden ergeben "

Kategorie ANERKENNUNGSPREIS

Theresa Friedrich // Johannes Hemmelmann // Julian Numberger:
Werkstatt Wallersdorf. Neue Ideen für den Siedlungsumbau im ländlichen Raum

Masterarbeit (M.Sc. Urbanistik - Landschaft und Stadt)
TU München, Lehrstuhl für nachhaltige Entwicklung von Stadt und Land

Die Masterthesis entwickelt Szenarien zum Ortsumbau für Wallersdorf , einer niederbayerischen Gemeinde im Entwicklungsbereich der Autobahn A92. Dabei galt es, mit dem demographischem Wandel und großen industriellen Bauvolumen umzugehen und eine grundlegende Neuausrichtung der Ortsentwicklung vorzuschlagen.
Das Trio zeigt in seiner Masterarbeit  für das Ortszentrum, für ehemalige und für bestehende expandierende landwirtschaftliche Hofanlagen sowie für neue Wohntypologien städtebaulich Perspektiven des Wandels auf, die aus einer Analyse des Raums und wesentlicher Herausforderungen der Siedlungsentwicklung hergeleitet und in einem übergeordneten Konzept verbunden werden.
Die Arbeit liefert damit einen Beitrag zur Neuausrichtung eines Ortes im ländlichen Raum, der klar argumentiert wird, städtebaulich-architektonischer Mittel überlegt einsetzt und interaktive Komponenten im Vorgehen einschließt.

Nadine Bihler: Ermittlung und Nutzung des ökologischen, ökonomischen und sozialen Kompensationsflächenpotentials in der Eingriffsregelung

Masterarbeit (M.Sc. Umweltplanung und Ingenieurökologie)
TU München, Lehrstuhl für Bodenordnung und Landentwicklung

Flächenpools innerhalb der Eingriffsregelung sind vorwiegend ökologisch orientiert. Ziel der Masterarbeit ist, neben den ökologischen auch die ökonomischen und sozialen Potentiale dieser Flächen aufzuzeigen.
Damit widmet sich Nadine Bihler einer aktuellen Diskussion um die Fragen, wo Ausgleichsflächen bereitgestellt werden können und wie die Akzeptanz bei Landwirten, Kommunen und in der Gesellschaft dafür gesteigert werden kann.

Die Arbeit zeigt anhand von zwei Fallstudien exemplarisch auf, mit welchen Schwierigkeiten Kommunen bei der Bereitstellung von Kompensationsflächen zu kämpfen haben und welche Potenziale vorliegen und welche Maßnahmen geeignet sind um sie besser nutzen und kommunizieren zu können.


Seven Faßbender // Karolina Hasenstab: "Leben in der Steckdose“. Intime Beziehungen zwischen Mensch, Energie und Landschaft in Ostthüringen

Masterarbeit (M. Sc. Landschaftsarch.) TU Berlin, Fachgebiet Landschaftsarchitektur, Freiraumplanung
Aus der Arbeit: „Ländlichen Räume benötigen eine neue Perspektive, die sie nicht ausschließlich aus Sicht der Stadt beschreibt. … Sie brauchen ein Narrativ, das die eigenen Qualitäten und Begabungen dieser Räume mit der Lebensrealität der dort lebenden Menschen verschneidet“.
Sven Faßbender und Karolina Hasenstab zeigen am aktuellen Beispiel "Energie" auf, wie es positiv besetzt werden kann. Sie sind überzeugt: Energielandschaften und Energieinfrastrukturen werden dann nicht mehr als störend empfunden, wenn man sie mitgestalten kann und weiß, dass man einen direkten Anteil daran haben kann.
Ihre Idee: Projekte! Über kleinteilige Formen der Energieproduktion und der Wertschöpfungsketten wird die Energiewende zu bürgergetragenen Projekten. Sichtbarkeit! Energie kommt nicht mehr einfach nur aus der Steckdose, sondern überall dort, wo sie produziert und verteilt wird und neue Projekte speist, wird ganz bewusst auf den Zusammenhang verwiesen. Hierzu liefern sie phantasievoll Beispiele, die Mensch, Energie und Landschaft zueinander in Beziehung setzen.
 
 

 

 
Silke Franke, 14.06.2018
 

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