Bayerische Akademie Ländlicher Raum

06.05.2014 zurück

Akademieförderpreis

Preisverleihung im Rahmen der Mitgliederversammlung

Alle zwei Jahre vergibt die Akademie einen Preis für den wissenschaftlichen Nachwuchs. Gesucht werden Abschlussarbeiten, die sich mit den Problemstellungen der ländlichen Räume auseinandersetzen.
Das Wissenschaftliche Kuratorium hat in seiner Jury-Sitzung am 25. April 2014 vier Arbeiten ausgewählt, jeweils zwei Förderpreise und zwei Anerkennungspreise. Im Rahmen der Mitgliederversammlung erhielten die Preisträger ihre Urkunde sowie den Scheck.
 

Von links nach rechts: Prof.Dr. Manfred Miosga (Vors. Wissenschaftliches Kuratorium), Michael Schmölz, Dr. Andrea Edenharter, Prof.Dr. Holger Magel (Präsident), Daniela Walz, Sebastian Selbmann, Mathias Raabe, Prof. Dr. Sören Schöbel (Stellv. Vors. Wissenschaftliches Kuratorium)

 
Akademieförderpreise
Dr. Andrea Edenharter //
Der demografische Wandel als Herausforderung für das Raumordnungsrecht und das Baurecht
Dissertation (Jura),
Universität Regensburg
Die Arbeit stellt die rechtlichen Fragen des demographischen Wandels in außergewöhnlich detaillierter und klar strukturierter Weise dar. Literatur und Rechtsprechung werden umfassend aufgearbeitet. Auch aktuelle Entwicklungen – wie etwa die Neuregelung des bayerischen Landesplanungsrechts – werden nicht nur berücksichtigt, sondern sogar zu einem Exempel für die Bewertung der entsprechenden Fragestellungen gemacht. Die Argumentation ist insoweit sowohl in der Breite als auch in der Tiefe durchweg überzeugend. Damit leistet die Arbeit einen wesentlichen Beitrag zur Bewältigung der Herausforderungen im ländlichen Raum.
Besonders hervorzuheben ist, dass die Dissertation nicht nur theoretische Grundlagen legen will, sondern immer wieder praktische Fallkonstellationen aufgreift. Dabei wird deutlich, dass die Verfasserin nicht nur an der juristischen Dimension der gestellten Fragen interessiert ist, sondern auch deren politische Auswirkungen sieht und entsprechende Lösungsansätze erarbeitet.
Hier liegt der besondere Wert des Buchs, da immer wieder auch über den Tellerrand des geltenden Rechts hinausgeblickt wird. Beispielhaft darf dazu auf die Ausführungen zur Einführung eines umfassenden „Monitoring“-Systems hingewiesen werden.
 
Michael Schmölz//
Gebrauch Allgäu
Masterarbeit (Urbanistik, Landschaft und Stadt),
TU München
Die Masterarbeit leistet einen gedanklich und methodisch innovativen Beitrag aus der Perspektive der Landschaftsarchitektur zur Weiterentwicklung historisch gewachsener Kulturlandschaften.
Dem Erscheinungsbild, der tatsächlichen, materiellen Landschaft, steht das Bewusstsein darüber, das kognitive Bild der Landschaft, gegenüber. Trotz der aktuellen Veränderungen der Landschaft bemüht man das traditionelle, scheinbar unberührte Bild der Region.
Die Arbeit liefert auf Grundlage einer historischen Landschaftsanalyse und von Szenarien eine Fülle von Einsichten und Anregungen, wie das weit verbreitete konservierende Landschaftsverständnis überwunden werden kann, um neue gesellschaftliche Raumansprüche und -elemente zu integrieren, und sie gleichermaßen ökonomisch, ökologisch, sozial und ästhetisch weiterzuentwickeln.
Die Arbeit hat einen hohen theoretischen Anspruch und besticht durch die graphische Aufbereitung ihrer Ergebnisse.
 
Akademieanerkennungspreise
Mathias Raabe //
Innenentwicklung durch kommunales Flächenmanagement – Erfassung, Bewertung und Aktivierung von Innenentwicklungspotenzialen in Heek-Nienborg
Masterarbeit (Geographie),
Westfälische Wilhelms-Universität Münster
Mathias Raabe leistet mit seiner umfassenden Aufarbeitung des Themas einen Beitrag, der sowohl in seiner methodischen Herangehensweise als auch in seinen empirischen Ergebnissen und Handlungsempfehlungen übertragbar ist.
Die Arbeit verdeutlicht, dass das Thema Innenentwicklung insbesondere vor dem Hintergrund aktueller gesellschaftlicher und ökologischer Herausforderungen, wie der demographische und der klimatische Wandel, eine hohe Brisanz aufweist. Präzise und kenntnisreich arbeitet er den aktuellen Forschungsstand auf und entwickelt bestehende Instrumente zur Erhebung und Bewertung von Innenentwicklungspotenzialen sinnvoll weiter. Planerische Instrumente werden mit eigens von ihm entwickelten sozialwissenschaftlichen Methoden insbesondere zur Befragung und Ansprache von Eigentümern kombiniert.
In den Handlungsempfehlungen legt Raabe einen umfassenden Katalog für eine erfolgversprechende Strategie zur Mobilisierung von Innenentwicklungspotenzialen vor, die durchaus Vorbildcharakter aufweisen. Die Masterarbeit ist formal, konzeptionell und methodisch auf einem hohen Niveau und besticht durch ihre Praxisorientierung bei einem gleichzeitig hohen wissenschaftlichen Anspruch.

 
Sebastian Selbmann und Daniela Walz //
Gut Walshausen im Innerstetal: (Wieder-)Entdeckung regionaler Energiekreisläufe?
Diplomarbeit (Architektur),
Karlsruher Institut für Technologie
Die Diplomarbeit beeindruckt durch die Verbindung der verschiedenen Maßstabsebenen vom Gebäude bis zum Innerstetal. Die Aufgabenstellung neuer regionaler Entwicklungsleitbilder im Zusammenhang mit Energiefragen wird auf überlegte und überzeugende Weise gelöst, v.a. im Hinblick auf die temporäre Nutzung des Gutes Walshausen und die räumlichen Potenziale des Innerstetals. Dabei wurden neben den Chancen auch die Grenzen regionaler Energieerzeugung deutlich.
Die Arbeit verdeutlicht zudem die Notwendigkeit qualitativer Herangehensweisen jenseits von vorschnellen Indikatorenmodellen. Die textliche und graphische Präsentation ist sehr gelungen und zeigt, wie entwurfliche architektonische und planerische Projekte ihre analytische Grundlage und den roten Faden der Konzeption auch im Hinblick auf Kommunikation perfekt übertragen können.
externer link zur pdf-Datei der Arbeit

 

Silke Franke

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