Bayerische Akademie Ländlicher Raum

18.05.2012 zurück

ALR Nachwuchsförderpreis 2012

Auszeichnung von Arbeiten zum Ländlichen Raum

Die Bayerische Akademie Ländlicher Raum e.V. lobt in zweijährigem Turnus einen Förderpreis für Diplomarbeiten, Mastertheses oder Dissertationen aus, die sich in zukunftsorientierter, sensibler und kreativer Weise mit den ländlichen Räumen auseinandersetzen.
Das interdisziplinär besetzte Wissenschaftliche Kuratorium wählt die Preisträger aus: Sie erhalten eine Urkunde und einen kleinen Geldpreis. Die Preisverleihung für den Turnus 2010 - 2012 erfolgte im Rahmen der Mitgliederversammlung am 14. Mai 2012.

Die Preisträger 2012

Franz Koppelstätter, Arash Bagheri, Anne Gueydon, Sarah Hartmann, Robert Schneider

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Franz Koppelstätter
Bauernkapelle Nonsbach - Entstehung eines Kontemplationsraums im ländlichen Raum.
Diplomarbeit (2010), Universität für künstlerische und industrielle Gestaltung Linz

Die Diplomarbeit überzeugt nicht nur durch die hohe Qualität in Entwurf und Konstruktion, oder durch die Tatsache, dass mit der Arbeit die Kapelle in Nonsbach als Prototyp tatsächlich realisiert wurde. Interessant und zukunftsfähig für den ländlichen Raum ist die erneuerte Bedeutung von Räumen der Gemeinschaft, sind die Prozesse ihrer Entstehung und Nutzung, die in der Arbeit als Teil des räumlichen Projekts mitentworfen und mitgestaltet worden sind.
Gleichzeitig ist die Arbeit ein Plädoyer für die Neuentdeckung regionaler Baumaterialien und Techniken, für ein neues Verständnis von Handwerk. Indem Richard Sennett den Wunsch, Material zu verändern, und die Idee, Dinge um ihrer selbst willen zu tun, als kulturellen Grundimpuls beschreibt, wird damit auch eine gesellschaftliche Neuausrichtung gefördert, die mit einem neuen Werteverständnis nach der Wirtschaftskrise einhergeht.

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Anne Gueydon
Die Bedeutung der Gemeinschaftsalmen für die Landnutzung im Alpengebiet Bayerns. Eine ökonomische und institutionelle Analyse
Dissertation an der Technischen Universität München,
Wissenschaftszentrum Weihenstephan für Ernährung, Landnutzung und Umwelt.

Die Arbeit trägt in gründlicher und in Fragestellung und Darlegung innovativer und grundsätzlicher Weise dazu bei, das essentielle Thema der Berglandwirtschaft neu zu positionieren. Aktuelle gesellschaftliche Ansprüche an Transparenz und Qualität der Nahrungsproduktion stehen dabei im Zusammenhang mit einem Verständnis von Territorium als gestaltetem Element. Neben der etablierten Betrachtung einer nachhaltigen Landnutzung zur Erhaltung der Kulturlandschaft werden das urbane Naturverständnis, Schönheits- und Freizeitanspruch in den Alpen und die traditionellen Beziehungen der Akteure im ländlichen Raum angesprochen. Die Arbeit untersucht eine Vielzahl bestehender Gemeinschaftsalmen und diskutiert deren Nutzen für die landwirtschaftlichen Betriebe und die Gesellschaft im weitesten Sinn.
Dier Arbeit spricht, gerade durch ihren betrieblichen Fokus, hochaktuelle Fragen des Naturraums, der Ressourcen, der regionalen Nahrungsproduktion, der Biodiversität und der Ästhetik an. Die empirischen Ergebnisse werden aus Sicht der Institutionenökonomie beleuchtet und die Zusammenhänge zwischen den von den Gemeinschaftsalmen bereitgestellten Gütern, den beteiligten Akteuren und den institutionellen Arrangements veranschaulicht. Es zeigt sich, dass die gemeinsame Bewirtschaftung von Almen den dörflichen Zusammenhang stärkt und motivierend auf die Fortführung einer nachhaltigen Almwirtschaft wirkt. Die Arbeit stellt eine wichtige Grundlage für weitere wissenschaftliche Arbeiten im Bereich der Berglandwirtschaft dar und dient zudem als ausgezeichnete Informationsgrundlage für alle, die sich im Alpengebiet mit Landwirtschaft, Naturschutz und ländlichem Raum befassen.

 

Sarah Hartmann und Robert Schneider
„urban re-cycle“ Das Bahnareal Traunstein.
Diplomarbeit (2012), Technische Universität München,
Fakultät für Architektur.

Die Arbeit geht von einem überraschenden Stadt-Land-Austausch aus. Die Konversion zentraler Flächen, längst ein Thema in Metropolen, wird hier mit regionalem Fokus und spezifischen Chancen betrachtet. Das Bahnareal in Traunstein ist eine auch für die Region bedeutende Entwicklungsfläche, wie die Diplomarbeit mit ihren Nutzungsszenarien in überzeugender und neuer Weise aufzeigt. Interessant ist dabei der Ansatz, nicht nur Lücken im Raum, sondern auch im siedlungsstrukturellen Gefüge zu suchen. So kann das neue Quartier zu einer Stärkung der Innenstadt beitragen und über dynamische Effekte in die Region ausstrahlen.
Die Diplomarbeit beeindruckt durch die geschickte Verbindung von programmatischen und räumlichen Vorschlägen wie auch durch die Kohärenz ihres Vorgehens und der Gestaltung. Ein besonders Lob verdient vor allem die kreative Einbindung zukunftsweisender Impulse, wie sie hier über neue gemeinschaftliche Wohnformen oder über neue Nutzungsformen im Zusammenhang von Holz, Handwerk und Energie vorgeschlagen wurden. Vorhandene Stärken werden modern interpretiert. Die Idee des Re-Cycling wirkt damit als städtebauliche Strategie über das Bahnareal hinaus.

 

 

Arash Bagheri
Kanduleh - eine soziale Schnittstelle durch die Architektur.
Planungsort: West-Iran.
Diplomarbeit (2012), Leibniz Universität Hannover,
Fakultät für Architektur und Landschaft
Die Neuausrichtung von Dörfern im Berggebiets West-Irans steht vor dem Hintergrund der massiven Urbanisierung der Zentralräume des Iran: die Dörfer der Peripherie sind von Landflucht und Fragen wirtschaftlicher Perspektive betroffen, andererseits ergibt sich durch die neuen Freizeitwünsche einer jungen, rasant wachsenden neo-urbanen Bevölkerung für die Dörfer des Berggebiets die Chance einer wirtschaftlichen, kulturellen und räumlichen Neuaufstellung.
Die Arbeit schlägt hierzu vor, rurale Kenntnisse und Materialien in Handwerk und Bautechnik als Attraktor im Tourismus einzusetzen. Touristisches Wohnen im Baubestand und in neuen Häusern, ein Markt und ein Bildungszentrum werden als Bauprogramm formuliert und in Verwendung vernakulärer Intelligenz in Lehmbauweise entwickelt. Durch die Wirkung als "Schnittstelle" bietet das Projekt nicht nur für den Ort Kanduleh eine zukunftsfähige Perspektive, sondern liefert generell einen Beitrag zum Neuverständnis von Ruralität und Region, die auf neuen Verbindungen von Land und Stadt beruhen.

 

 

Die Preisträger mit dem Präsidenten der Akademie und Jury-Mitgliedern

Prof. Dr. Holger Magel (Präsident), Prof. Jörg Schröder (Jury), Anne Gueydon, Robert Schneider, Arash Bagheri, Sarah Hartmann, Beatrix Drago (Jury), Franz Koppelstätter, Silke Franke (Geschäftsführung), Josef Rottenaicher (Jury)
Dipl.-Geogr. Silke Franke, Geschäftsführerin Bayerische Akademie Ländlicher Raum

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