Bayrische Akademie Ländlicher Raum

12.09.2012 zurück

Dr. Hans Eisenmann als Vorbild

Expertenkreis diskutierte Mensch, Idee und Wirken

 

Dr. Hans Eisenmann als Vorbild: Visionen für Bayern – Forderungen an die ganzheitliche Entwicklung von Stadt und Land

Als Dr. Hans Eisenmann im März 1969 das Amt des Bayerischen Staatsministers für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten übernahm, schlug er einen neuen Weg in der Agrarpolitik ein. Wo andere Experten immer noch einem rein sektoralem Denken verhaftet blieben, hatte er den Mut, auch über den Tellerrand zu blicken. Agrarpolitik – das war für Eisenmann Gesellschaftspolitik. So trug er wesentlich zur nachhaltigen Entwicklung und Gestaltung Bayerns bei.

Dr. Hans Eisenmann übte sein Amt 18 Jahre lang aus. Er verstarb plötzlich im August 1987. Mit einer kleinen Veranstaltung im eingeladenen Teilnehmerkreis gedachte die Akademie Ländlicher Raum als Kooperationspartner der Hanns-Seidel-Stiftung dieser herausragenden Persönlichkeit. Enge Mitarbeiter und Weggefährten erinnerten 25 Jahre nach seinem Tod daran, wie neuartig und zukunftsweisend seine Vorstellungen waren und mit welch konstruktiver Beharrlichkeit er sie auch gegen Widerstände verfolgte.
Nachfolgend Impressionen des Workshops am Mittwoch, 12. September 2012, in München im Konferenzzentrum der Hanns-Seidel-Stiftung:

Mensch – Idee – Wirkung
Dr. Hans Eisenmann aus Sicht seiner Mitarbeiter

Theobald Abenstein:  „Dr. Hans Eisenmann - Ein Leben für die bayerische Heimat“
Theobald Abenstein (Foto: Silke Franke) "Dr. Hans Eisenmann stand 37 Jahre lang in öffentlicher Verantwortung. Von 1950 bis zu seinem Tod war er Mitglied des Bayerischen Landtags. Eisenmann stammte aus einer bodenständigen, engagierten und erfolgreichen Familie. Er wuchs auf dem Glückshof in der Hallertau auf und studierte in Weihenstephan Landwirtschaft, wo er auch seine Doktorarbeit schrieb. Sein Anliegen war, der bäuerlichen Landwirtschaft eine Zukunft zu sichern. Als Leiter des Landwirtschaftsamtes und der Landwirtschaftsschule Pfaffenhofen erwarb er sich rasch Ansehen. 1958 wurde er zum Landrat gewählt. Die Zeit des Wiederaufbaus nach dem Krieg prägte sein Engagement für die Heimat. Seine Qualität als politisch Verantwortlicher bewies er auch im Landtag - ihm wurde die Leitung des Haushaltsausschusses anvertraut, bevor er 1969 zum Bayerischen Staatsminister für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten berufen wurde. Bereits ein Jahr später, 1970, legte er das "Gesetz zur Förderung der bayerischen Landwirtschaft" vor und bewies damit nicht nur fachliche Kompetenz, sondern auch politisches Geschick: Es  wurde einstimmig im Landtag verabschiedet! In seinem Agieren berief er sich immer wieder auf christliche Prinzipien. Sein Ziel war, die Tüchtigungen zu fördern und den Schwachen zu helfen. Obwohl im äußeren Erscheinen eher gepflegt und zurückhaltend und weniger als Wortführer auftretend, war er dennoch der Steuermann im Hintergrund. Er hatte den Weitblick und den Mut, Themen aufzugreifen, die noch nicht auf der allgemeinen Agenda standen. So war und bleibt er Vielen ein Vorbild."
MDir. a.D. Anton Adelhardt: „Der Minister stellt die Weichen neu“
Anton Adelhardt (Foto: Silke Franke)"Dr. Hans Eisenmann hat sich mit jeder seiner Äußerungen intensiv auseinandergesetzt, mit seinen Mitarbeitern um jedes Wort gerungen. Inhalt wie auch Sprachstil sollten stimmig, klar und verständlich sein. Sein Einsatz galt einer eigenständigen, auf die spezifischen Bedingungen angepassten Strukturpolitik. Mit seiner Gesamtschau auf das Land ging Eisenmann einen neuen Weg. 
Zu den Schwerpunkten seines Wirkens gehörten insbesondere:
  • Schaffung von Einkommensalternativen außerhalb der Landwirtschaft, Miteinander von Voll-, Neben- und Zuerwerbsbetrieben, Senkung der Produktionskosten, Förderung von überbetrieblicher Zusammenarbeit, Ausbildung und Beratung, wirtschaftlichem Denken und geistiger Flexibliltät.
  • Anerkennung der Ausgleichsfunktionen der Natur, Vereinbarkeit der Bedürfnisse der Ökonomie mit den Erfordernissen der Ökologie, Erhaltung der Kulturlandschaften.
  • Anerkennung der Sozialfunktionen der Landwirtschaft; Verständnis von Agrarpolitik über Landwirtschaftspolitik hinaus als Gesellschaftspolitik.
  • Berücksichitgung der Verbraucherinteressen; Sicherstellung der Nahrungsmittelversorgung in Menge und Qualität , aber hinsichtich einer "richtigen" Ernährung.
Wer kennt ein umfassenderes, auf langfristige Sicht angelegtes und daher bis heute modernes Agrarkonzept?
Seine letzte Rede im August 1987 auf der Fraueninsel war quasi sein Testament. Hier hat er das philosophisch-christliche Fundament seiner Arbeit  und die Umsetzung vom ideellen Gedankengut in ein praktikables agrarpolitisches Konzept dargelegt."
Prof. Dr.-Ing. Holger Magel: „Eisenmanns Vision und Auftrag zur Erneuerung der bayerischen Dörfer und Landschaften“
Holger Magel (Foto: Silke Franke)"Eine Politik für die ländlichen Räume muss diese in ihrer Vielfalt betrachten, muss mehr als nur die Landwirtschaft im Blick haben. Diese Botschaft gilt auch heute noch. Dr. Hans Eisenmann hatte nicht nur eine klare Vision entwickelt, sondern auch Instrumente für die Umsetzung. Tragisch ist, dass manche seiner vorausschauenden Ideen nicht erkannt wurden - neben dem Waldfunktionsplan war auch ein Agrarleitplan vorgesehen, dieser wurde jedoch torpediert und damit eine Möglichkeit, ein wertvolles Gut zu schützen: Unsere Böden!
Folgende Eisenmann´sche Ansätze sind für mich mit Blick auf die Dörfer und Landschaften essentiell:
  • Ganzheitliche Betrachtung des ländlichen Raums (das ist keine Domäne eines Sektors oder einer einzelnen Berufsgruppe) und Pragmatismus, denn der Konflikt zwischen Gemeinwohl und Privatinteresse lässt sich nur lösen, wenn man `Geld in die Hand nimmt´.
  • Flurbereinigung mit Instrumenten der Bodenordnung zur Erhaltung der gewachsenen Kultur- und Dorflandschaften einsetzen.
  • Keine Flurbereinigung ohne den Willen der Grundstückseigentümer. Dies war der Beginn des partizipativen Weges in der einschlägigen Planung!
  • Mit Dorferneuerung das bewährte Alte erhalten und das gute Neue schaffen; das ländliche Siedlungswesen gestalten, das bäuerliche Umfeld attraktiv erhalten.
  • Sinn für ganzheitliches Denken, Philosophie und Ästhethik.

Dr. Hans Eisenmann war ein außergewöhnlicher und nobler Minister."

 

Gemeinsame Diskussion: Was würde Dr. Hans Eisenmann zur Situation heute sagen - oder: Welche Eisenmannschen Ideen und Ideale gelten auch heute noch?

Impuls: „Was ist bäuerliche Landwirtschaft heute?“
Prof. Dr. Dr. h.c. Alois Heißenhuber
Lehrstuhl Wirtschaftslehre des Landbaus, TU München-Weihenstephan
Alois Heißenhuber (Foto: Silke Franke)" `Bäuerliche Landwirtschaft` - das hört sich als Begriff gut an - ist jedoch für die landwirtschaftliche Praxis nicht definiert. Im Grunde gibt es  zwei Szenarien für die Ausrichtung der Landwirtschaft:
  • Produktionsorientiert:
    `Farming´ gemäß Fachgesetzen, ohne Direktzahlungen
  • Multifunktionsorientiert:
    Agrikultur mit besonderer Berücksichtigung gesellschaftspolitischer Forderungen und Honorierung dieser Gemeinwohlleistungen

Eine multifunktionale Landwirtschaft würde den Vorstellungen von Eisenmann wohl eher gerecht werden, denn sie kombiniert Einkommen (Landwirtschaft und umgebende Bereiche), Leistungen (Markt und Gemeinwohl) sowie Arbeit (Erwerbs- und Subsistenzarbeit)."

 

Moderation: Jakob Opperer
Präsident der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft
Jakob Opperer (Foto: Silke Franke)

Runder Tisch im

Im Rahmen der Diskussion mit Experten von damals und heute wurden Thesen erarbeitet, die im weiteren Verlauf noch ausgearbeitet werden.
Schriftliche Beiträge u.a. von Prof. Magel und Prof. Heißenhuber finden Sie im Fokus "Agrarpolitik" der Politischen Studien

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Eisenmann Hans
geb. 15.04.1923, gest. 31.08.1987
Dipl. Ing., Dr. agr.; Landwirtschaftsdirektor, MdL, Landrat, Staatsminister

1941-1945 Arbeitsdienst und Fluglehrer bei der Luftwaffe; 1946-1948 Studium der Landwirtschaft in Weihenstephan, 1950 Staatsexamen für den höheren landwirtschaftlichen Staatsdienst, 1959 Promotion; 1951-1958 am Landwirtschaftsamt Pfaffenhofen a.d. Ilm tätig, seit 1954 als Direktor; Mitglied der Bayernpartei, 1954 Übertritt zur CSU; 1950-1987 MdL; 1958-1969 Landrat in Pfaffenhofen; 1969-1987 Bayerischer Staatsminister für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten
Vgl. auch: www.hss.de
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Dipl.-Geogr. Silke Franke
Geschäftsführerin Bayerische Akademie Ländlicher Raum
Referentin für Umwelt und Klima, Ländlicher Raum, Ernährung und Verbraucherschutz der Hanns-Seidel-Stiftung

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