Bayrische Akademie Ländlicher Raum

09.06.2010 zurück

Förderpreis 2010 der Bayerischen Akademie Ländlicher Raum

Vier interessante Arbeiten zu aktuellen Problemstellungen des ländlichen Raums wurden ausgezeichnet.

Die Preisträger 2010

 

 

 
 
 
 
 

 

 

 

 

 


Die Preisträger des Preises für  wissenschaftlichen Nachwuchs der ALR zusammen mit dem Vorsitzenden des Wissenschaftlichen Kuratoriums, Prof. Alois Heißenhuber, dem Präsidenten, Prof. Holger Magel, und der Geschäftsührerin Silke Franke

SF, 12.06.2010
Mag.arch. Wolfgang Mayer: Kreativzentrum Mülikoasa-Hof.

Diplomarbeit (2008) an der Universität für künstlerische und industrielle Gestaltung
Kunst Universität Linz.

Der Umgang mit leer stehenden landwirtschaftlichen Gebäuden ist eine zentrale Herausforderung für die Zukunft des ländlichen Raums, um dem drohenden Verlust baulicher Identität entgegenzuwirken, aber auch, weil historisch gewachsene Substanz besondere Potenziale freizusetzen vermag. Für den Architekten bedeutet dies eine Herausforderung, da behutsamer Umgang mit dem Bestand mit einer kulturell und ökonomisch überzeugenden Neukonzeption einhergehen muss.
Wolfgang Mayer stellt sich diesen Anforderungen in seiner Diplomarbeit zur alten Hofanlage Mülikoasa im oberösterreichischen Hausruckviertel in dem zeitgemäßen Projekt für ein Kreativzentrum. In einer vorbildlichen Bestands- und Potenzialanalyse befasst er sich nicht nur überzeugend mit technischen Anforderungen, sondern entwickelt auf der Grundlage eines erweiterten strukturellen Verständnisses von Raumqualitäten ein intelligentes Nutzungs- und Baukonzept. Die aus der Konfrontation mit den komplexen Rahmenbedingungen entwickelte schrittweise Umnutzung ist eine überzeugende Lösung für den spezifischen Fall. Die entwickelte Methode aber weist über den Einzelfall hinaus und ist für vergleichbare Aufgaben im ländlichen Raum vorbildlich.
 

 

Dipl.-Ing. Sebastian Büchs: Dorfumbau - Strategien zum Umgang mit der Baustruktur schrumpfender Dörfer am Beispiel des Ortes Aidhausen.

Diplomarbeit (2009) an der Fakultät für Raumplanung der TU Dortmund.

Viele ländlich-periphere Räume sehen sich mit strukturellen Schrumpfungsprozessen konfrontiert, die Auswirkungen auf reale und kulturelle Werte sowie das gesamte Ortsbild haben. Insbesondere kleinere Gemeinden sind angesichts des komplexen Handlungsbedarfs oftmals überfordert. Standardisierte Verfahren in Form praxiserprobter Konzepte und Maßnahmen mit Verallgemeinerungsfähigkeit fehlen bislang. Auch die aktuelle inhaltliche und methodische Ausrichtung der Dorferneuerung bietet hierzu noch keine zufriedenstellende Lösung.

Im theoretischen Teil der Diplomarbeit stellt Sebastian Büchs anhand umfangreicher Literaturrecherche und ergänzender Expertengespräche die Grundlagen von Schrumpfungsprozessen dar und widmet sich den vorhandenen Planungsinstrumenten sowie den rechtlichen und methodischen Rahmenbedingungen. Zentraler Baustein seiner Arbeit ist die Entwicklung einer allgemeinen Umbaustrategie für schrumpfende Dörfer, die er in Bausteinen und mit konkreten Lösungsvorschlägen auf den Beispielort Aidhausen überträgt.
Herr Büchs erstellt eigene Modelle und konzeptionelle Vorschläge, wobei er zu interessanten Schlussfolgerungen und kritischen Ergebnissen kommt. Die Ergebnisse können für die Gemeinde und das Dorferneuerungsverfahren eine Anregung für das weitere Vorgehen geben und leisten einen praxisorientierten Beitrag bei der Bewältigung dieser zentralen Herausforderung im Ländlichen Raum.
 

 

Dipl.-Ing. Tobias Wörndl: Erneuerbare Energie aus dem Wald. Akzeptanz, Bewirtschaftungssituation und Bildung für nachhaltige Entwicklung im Achental.

Diplomarbeit (2010) am Lehrstuhl für Strategie und Management der Landschaftsentwicklung der TU München.

Die Diplomarbeit „Erneuerbare Energien aus dem Wald“ von Tobias Wörndl beschäftigt sich mit einem Thema von hoher politischer und gesellschaftlicher Aktualität aus dem Blickwinkel der Region Achental.

Die Arbeit analysiert ausführlich die Situation der Waldbewirtschaftung im Achental, diskutiert ihre ökonomisch und ökologisch sinnvoll erschließbaren Potenziale und beschäftigt sich eingehend mit der Einstellung der Waldbauern gegenüber der Idee einer regionalen Energieversorgung aus dem Wald. Herr Wörndl zeigt hierbei in einer wissenschaftlich fundierten und anschaulich erläuterten Akzeptanzanalyse die zentrale Bedeutung der sozialen und kommunikativen Dimension bei der Erstellung von regionalen Energiekonzepten auf. Er entwickelt daraus für die Bioenergieregion Achental Empfehlungen zur weiteren Steigerung der Akzeptanz der regionalen Biomasseverwertung unter den Waldbesitzern.

Besonders hervorzuheben ist auch die Erarbeitung eines pädagogischen Konzepts für Seminare in der neu gestalteten gymnasialen Oberstufe. Verschiedene Seminarkonzepte zum Thema „Erneuerbare Energien aus den Wäldern der Region Achental“ ermöglichen es, künftige Entscheidungsträger mit den Landnutzern auf kommunikativer Ebene zusammenzuführen.
Die Diplomarbeit bietet somit sowohl konkrete Beiträge zur Weiterentwicklung der Bioenergieregion Achental als auch allgemeine Erkenntnisse zur Akzeptanzsteigerung von Energienutzungskonzepten.
 

 

Dipl.-Ing. Melanie Hammer und Dipl.-Ing. Waschma Sahin: Produktive Landschaften -
Algenkulturzentrum in den alten Salzgärten von Cádiz.


Sonderdiplomarbeit (2009) am Lehrstuhl für Städtebau und Regionalplanung der
TU München.

Die Bucht von Cádiz ist geprägt durch Salzproduktion, industrielle Fischverarbeitung, Naturreservate, Tourismus und Siedlungserweiterung. All die Nutzungen haben Schicht für Schicht die Landschaft überformt und Spannungsfelder aufgemacht. Aktuell stellt das Gebiet vor allem aber ein aus dem Bewusstsein gerücktes Niemandsland dar, dem die wirtschaftliche Perspektive fehlt.

Die Arbeit widmet sich der behutsamen Instandsetzung der alten Salinen von Cádiz.Ziel ist die sensible Neufassung dieses agro-maritimen Territoriums als produktive Landschaft. Der Algenanbau mit all seinen unterschiedlichen Verwendungszwecken (z.B. Nahrungsmittel, Wirkstoff für Gesundheit und Kosmetik, Treibstoff für Bio-Energie) wird dabei als materieller und ideeller Katalysator der Transformation aufgegriffen, in die nicht nur die Wertschöpfung und Wertschätzung einer natürlichen Ressource, sondern auch die Wiederentdeckung des vernakulären Siedlungssystems und seiner Architekturen eingebettet ist.
Die Arbeit beeindruckt durch die Originalität der Themenwahl und dem Mut des Ansatzes. Akribisch werden die Ursachen historischer Formen aufgespürt und für Folgenutzungen neu interpretiert. Damit leistet die Arbeit mit ihrem hohen Durcharbeitungsgrad, von der Produktauswahl über die Landnutzungssysteme bis zur baulichen Gestalt,  einen wertvollen Beitrag für die erneute, ressourcenbewusste Instandsetzung der Salinen von Cadiz. Dank seiner transparenten Methodik und prägnanten Logik kann das Konzept auch über das konkrete Anwendungsbeispiel hinaus als Vorbild für den allgemeinen Umgang mit überformter agrarischer Landschaft dienen.
 

Ansprechpartner:
Dipl.-Geogr. Silke Franke, Geschäftsführerin ALR
franke@hss.de

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